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Schnell hören - langsam reden!

Pastor Thomas Zels

Nächstes Jahr werde ich 60. Gefühlt gehöre ich dann zur älteren Generation der „Best Ager“. Die wird kräftig umworben als zahlungskräftige und zahlenmäßig ausschlaggebende Gesellschaftsgruppe. Im Gesundheitssektor, politisch und prozentual auch bei uns in der Gemeinde. 

Aber was bedeutet das für mein Verhalten als Nachfolger Jesu? Leute meiner (geburtenstarken) Generation haben viel Erfahrung und Wissen gesammelt. Und das ist wichtig. Vor Kurzem kam mir der Gedanke: Wir sind nie zu alt, um alle Verantwortung den Jüngeren zu überlassen. Aber wie bringe ich das konstruktiv ein - gesellschaftlich und in unserer Gemeinde? 

In Jakobus 1,19 steht: Denkt daran, liebe Geschwister: Jeder sei schnell bereit zu hören, aber jeder lasse sich Zeit, ehe er redet, und erst recht, ehe er zornig wird.

Schnell bereit sein zu hören heißt: Ich will mich mit meinen Erfahrungen und Erkenntnissen nicht zum General-Ratgeber der nachfolgenden Generation aufspielen, sondern ihr zuhören! Vielleicht haben wir deshalb zwei Ohren, aber nur einen Mund. Weil zuhören weiser ist als reden.

Ich „Best Ager“ kann nicht wissen, wie das Evangelium Jesu bezeugt werden muss, um Zeitgenossen der jüngeren Generationen zu erreichen. Weder in der Verkündigung noch in der Musik. Oft bin ich zwar abgehängt, wenn es um die Art u. Weise geht. Aber das war im Reich Gottes immer schon so, oder? Den Jüngeren meine Gewohnheiten aufdrücken? Nein. Das entspricht nicht der biblischen Weisheit. Stattdessen sollte ich Vertrauen investieren! Den jüngeren Verantwortlichen der Gemeinde zuhören und dabei meine Erfahrungen anbieten, einbringen, was aus meiner Sicht inhaltlich wichtig wäre. Als Anregung und mit Demut. Denn auch meine jüngeren Geschwister haben den Heiligen Geist. Und schließlich habe ich mich zu „meiner Zeit“ ebenfalls leidenschaftlich engagiert und war dankbar für Impulse und ausgewertete Erfahrungen von Älteren.

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“ Diese Metapher wird Gustav Mahler zugeschrieben, geht aber wohl auf den Sozialisten Jean Jaurès zurück, der am 21. Januar 1910 im französischen Parlament den konservativen Abgeordneten sagte: „Auch wir verehren die Vergangenheit. Aber man ehrt und achtet sie nicht wirklich, indem man sich zu den erloschenen Jahrhunderten zurückwendet. Die richtige Art, die Vergangenheit zu betrachten, ist, das Werk der lebendigen Kräfte, die in der Vergangenheit gewirkt haben, in die Zukunft weiterzuführen.“1 Und dann sagte er den oben zitierten Satz.

Unser Jahresthema „Was lebt, das wächst“ bedeutet für mich: Ich will Jüngeren helfen, sie unterstützen, für sie beten. Ich will das Feuer des Glaubens weitergeben. Den Rest vertraue ich Jesus an, der immer schon der Hirte seiner Gemeinde war und auch bleiben wird.

Herzlich

Thomas Zels