Unser ZweiMonatsImpuls

Matthias Beichter

"Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren." - 2. Timotheus 2, Vers 2

Ein Thema, das Fans und Medien am Rand der Fußball-WM in den letzten Wochen beschäftigt hat, war der Generationswechsel innerhalb der deutschen Mannschaft. Ganz besonders zugespitzt hat sich die Diskussion um den Kapitänsposten: Wird der Veteran Michael Ballack nach seiner Verletzung zurückkehren oder wird der junge Philipp Lahm auch nach dem Turnier den Posten behalten?

Vielleicht nur für manche Menschen eine wichtige Frage, aber eines wird an ihr deutlich: Es fällt schwer, loszulassen. Es ist nicht leicht, einen Posten zu räumen, Einfluss aufzugeben, nicht mehr mitzugestalten - und stattdessen Platz für Neues zu machen. Viele Menschen haben Mühe damit.

Der oben zitierte Vers aus dem 2. Timotheusbrief fordert aber genau dazu auf: Paulus hat diesen Brief kurz vor seinem Tod geschrieben. Er enthält einige Dinge, die Paulus enorm wichtig sind und die er seinem jungen Schüler Timotheus unbedingt noch sagen möchte. Mit anderen Worten: Paulus ist dabei, den Stab weiterzugeben.

Der „Stab“, um den es dabei geht, ist das Evangelium, das wertvolle und befreiende Wissen um Gottes Plan für uns Menschen. Es wird ständig weitergereicht, es wandert von einem zum anderen, ist immer auf der Durchreise und nicht dazu gedacht, irgendwo „hängen zu bleiben“.

Gottes Reich ist auf dem Vormarsch und genauso verhält es sich mit der Gemeinde und unserer Verantwortung darin: Nichts an Gemeinde können wir Menschen festhalten! Selbst wenn wir ein Gebäude und Beziehungen mühsam gebaut haben, viel Geld und Arbeit investieren, unsere Ideen und Vorstellungen einbringen – Gemeinde gehört uns nicht und deshalb sollen wir uns auch nicht daran klammern. Wir sollen vielmehr weiterreichen, was uns anvertraut wurde und zwar an treue Menschen, die wiederum fähig sind, es weiter zu verteilen.

Multiplikation, das Verbreiten der Guten Nachricht, bedeutet also loslassen: Paulus hat losgelassen und Timotheus musste es früher oder später auch. Nur so konnte das Evangelium und die Verantwortung dafür unter anderem bei uns ankommen, 2000 Jahre später. Multiplikation bedeutet aber auch, dass es nicht nur auf mich ankommt, dass nicht alles von mir abhängt und das kann eine große Erleichterung sein! Trotzdem können und sollen wir Menschen am Reich Gottes mitbauen – und zwar in der Zeit und mit der Aufgabe, die jedem von uns persönlich gegeben ist. Das verstehe ich unter Berufung und darauf habe ich mich regelmäßig zu besinnen, um ein Festklammern oder eine Geltungssucht zu vermeiden.

Auf der letzten Gemeindeversammlung haben wir uns auf eine Leitungsstruktur geeinigt, die es bald mit Menschen zu füllen gilt. Damit verbunden wird eine Frage wieder besonders ins Blickfeld rücken: Wo in der Gemeinde kann/soll mein Platz sein? Ist es für mich vielleicht an der Zeit, den Stab weiterzugeben – und wenn ja, wie? Oder bin ich etwa Teil jener neuen Generation, der Gott einen Stab in die Hand drücken will?

Diese Frage haben sich nicht nur eine Handvoll Leiter zu stellen, sondern JEDER von uns, immer wieder neu. Und vielleicht bietet der Sommer den einen oder anderen ruhigen Moment dafür.

Ein gesegnetes Nachdenken wünscht

Matthias Beichter