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Gott kann aus Mist Dünger machen

Pastor Thomas Zels

Zwei nette Jungs aus der Nachbarschaft sollten auf ein Haus mit Kater aufpassen, während die alleinstehende Besitzerin unterwegs war. Die Familien kannten sich. Der Kater war wertvoll, ein Maine-Coon, den die Frau vor Jahren aus den USA mitgebracht hatte. Sie hing sehr an „Growler“ („Brummbär“), weil er so ein gemütliches Wesen hatte.

Aber das Aufpassen ging schief. Growler war weg. Als die Frau nach Hause kam, behaupteten die Jungen, der Kater sei ohne ihr Zutun verschwunden. Das konnte sie von Anfang an nicht glauben. Sie startete eine aufwändige Suche: Vermisstenanzeigen, Verteilblätter, Aushänge wochenlang. Aber nichts brachte Erfolg. Die Frau war tief getroffen. 

Die Jungen stritten energisch ab, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Das machte die Frau wütend. Sie drohte mit Anzeige und Schadenersatz. Zeugen wurden gesucht. Die Eltern der Beschuldigten drohten mit einer Gegen-Anzeige wegen Verleumdung. Fast wäre aus dem Streit eine juristische Sache geworden.

 

 

Aber eine der Familien gehörte zu unserer Gemeinde und bat um einen Schlichter, bevor alles eskalierte. Und da war jemand, der die Frau und die Familien kannte. Der bekam tatsächlich alle an einen Tisch. Alles wurde haarklein beredet. Der Schlichter gab zwei Dinge zu bedenken, an die bisher keiner gedacht hatte: Einmal, dass man auch einfach mal was zugeben kann. Und dann, dass man eine Sache auch vergeben kann. Einer der Jungen gab die Unachtsamkeit zu, die Growler zum Verschwinden genutzt hatte. Die Frau brach in Tränen aus, weil der Kater ihr so viel bedeutet hatte. Die Jungs entschuldigten sich betroffen. Die Eltern taten sich zusammen, um einen Ausgleich für den Verlust zu finden. Und zum Schluss waren alle erleichtert. Gegenseitiges Vertrauen wuchs wieder. Vielleicht noch ein wenig inniger als vorher. 

Diese Frau rief später bei mir an und sagte: „Gott kann aus Mist Dünger machen!" Denn die Sache hatte zu einem neuen, freundschaftlichen Verhältnis aller Parteien geführt, welches ihr über die Einsamkeit hinweghalf.

Verletzungen kann ich nicht einfach ungeschehen machen. So wie ich Zahnpasta nicht wieder zurück in die Tube kriege. Aber ich kann Schuld zugeben. Weil Jesus auch mir Karfreitag alle Schuld vergab. Oder ich kann verzeihen. Weil Jesus auch mein Leid am Kreuz erlitt. Und Ostern bedeutet: Es kann weitergehen, Neues entstehen, sogar besser als vorher. Der Auferstandene geht mir voran. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2.Korinther 5,19) 

Solche Oster-Erlebnisse wünsche ich uns!