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Ein halbes Jahrtausend nach Luther

Pastor Thomas Zels

 

 

Erst dachten die in Rom, er sei bloß ein kleiner störrischer deutscher Mönch. Intelligent, aber verbohrt. Doch dann entpuppte sich Martin Luther als der meistunterschätzte Senkrechtstarter seiner Zeit. Erst litt er unter einem Gedanken, der uns heute gar nicht so dramatisch vorkommt, dass er nach christlichen Maßstäben nicht perfekt war. Er versuchte alles, um ein guter Christ zu sein, er verbot sich sogar jeden schlechten Gedanken. Heimlich fragte er sich aber auch, warum Gott eigentlich all die Gebote erlassen hatte, obwohl sie doch praktisch nicht zu erfüllen waren. Das machte ihn verzweifelt und erschöpft. Alles stellte er in Frage. Die ganze Kirche.

 

Seinen angelernten Glauben. Aber dann passierte es beim Studium der Briefe von Paulus. Auf einmal las er, dass Gott die menschliche Unfähigkeit nicht verurteilt! Sondern dass er sie versteht! Und vor allem, dass er sich in Jesus schon längst mit allen Menschen ausgesöhnt hat! Luther war wie vom Donner gerührt: Der Himmel war keine Belohnung für die Perfekten, sondern Gottes Geschenk an alle, die sich begnadigen lassen. Das war wie eine Neugeburt für Luther. Er verstand, warum die Botschaft der Bibel „Evangelium" heißt, also „Gute Nachricht“. Er hatte entdeckt und predigte, was uns die Bibel eigentlich sagen will: Jeder kann durch Vertrauen in Christus erlöst werden. Ohne Vorbedingung. 

 

Das hatte die Kirche zu Luthers Zeit irgendwie verschleiert. Eine Massenbewegung entstand: Die Reformation. Die Kirchenlandschaft veränderte sich dadurch tiefgreifend und die Gesellschaft gleich mit. Bis heute ist dieser leidenschaftliche Klartextprediger einer der bekanntesten Deutschen. Alles, was sich evangelisch nennt, hat mit ihm zu tun. Luthers deutsche Übersetzung der Bibel ist nach wie vor ein Bestseller. Auch seine anderen Schriften verbreiteten sich rasend schnell durch Gutenbergs neu erfundene Buchdrucktechnik. 

 

Am 31.Oktober ist sein Thesenanschlag in Wittenberg ein halbes Jahrtausend her. Fünfhundert Jahre nach Luther stiften wieder tausend multireligiöse Meinungen Verwirrung. Aber die Bibel bringt uns immer noch bei, selber zu glauben, statt auf große Gurus zu warten. Luther hatte erkannt, dass Gott jedem Menschen nahe ist, auch wenn kein Priester in der Nähe ist und kein Ritual durchgeführt wird. Diese Nähe kann jeder jederzeit nutzen. Gott macht uns nicht die Hölle heiß. Er liebt nicht die Leistung, sondern den Menschen. Das macht glücklich und erlöst. Und das kann jeder mit Christus haben, wenn er darauf vertraut. Die Einsichten Martin Luthers helfen zu einem klaren Bild von Gott, sie machen mündig und mutig. Deshalb singe ich auch am 500. Reformationstag wieder Luthers bekanntes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott". Denn in Römer 3,23+24 steht: Alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck, und dass sie für gerecht erklärt werden, beruht auf seiner Gnade. Es ist sein freies Geschenk aufgrund der Erlösung durch Jesus Christus. 


Herzlich

Thomas Zels