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Besser zufrieden, als reich

Pastor Thomas Zels

 

 

Irgendwie wissen es alle: Geld allein macht nicht glücklich. Geld allein macht sogar arm. Inzwischen ist durch etliche Studien belegt, dass Reiche eher gestresst und unzufrieden sind. Der Psychologe Daniel Gilbert von der Universität Harvard bestätigt: „Der erste Dollar kauft dir ein Stück vom Glück. Und jeder weitere kauft dir ein Stückchen weniger. Je mehr wir verdienen, desto weniger steigert es unser Glück.” Im Grunde wissen wir´s. Aber warum träumen dann trotzdem Millionen davon, im Lotto zu gewinnen? 

 

Was macht wirklich glücklich? Umfragen sagen: interessanten Menschen begegnen, sich selbst besser kennen lernen, Natur oder Urlaub erleben, Freunde, Familie, Vitalität haben, Dinge tun, die man nicht kaufen kann, die aber sinnvoll sind. Menschen sind also nicht glücklich, wenn sie reich sind, sondern wenn sie zufrieden sind.  

 

Dafür zwei Anregungen. Die erste: Die Gegenwart ist die wichtigste Zeit im Leben. Jesus hat es so gesagt: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen (Matthäus 6,34). Ich sehe oft alles auf einmal. Und nicht selten fühle ich mich dann überfordert. Nachfolge geht aber nur schrittweise. Wie das ganze Leben. Ich kann nur von einer „Portion“ zur nächsten gehen. Die einen sehen zu viel in die Zukunft. Machen ihr Glück davon abhängig, dass Dinge gelingen, die erst morgen kommen. Andere sehen zu oft zurück. Bleiben in ihren Erinnerungen hängen. Dabei ist „Jetzt“ die ausschlaggebende Zeit! Jetzt Freunde genießen. Jetzt Projekte durchziehen. Jetzt ausruhen. Jetzt glauben und handeln. Alles andere gehört in die zweite Reihe. Wer das tut, steht mit beiden Beinen im Leben und Glauben.

Die zweite Anregung ist, sich nicht mit anderen zu vergleichen. Viele machen ihre Zufriedenheit ja davon abhängig, wie sie vor anderen dastehen. Sie investieren viel, um mitzuhalten. Wilhelm Busch, der deutsche Comic-Pionier und Dichter, schrieb:

 

„Wonach du sehnlich ausgeschaut, es wurde dir beschieden. 

Du triumphierst und jubelst laut: »Jetzt hab ich endlich Frieden!« 

Ach, Freundchen, rede nicht so wild,  bezähme deine Zunge! 

Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“ 

 

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit”, meinte der dänische Philosoph Søren Kierkegaard. Denn es wird immer jemanden geben, der mehr hat oder kann als ich. Eine Krankengymnastin hat mir vor einiger Zeit empfohlen, Gott bewusst danke zu sagen für jedes Körperteil an mir, auch wenn ich es bisher missbilligt habe. Und Frieden zu schließen mit meinem Lebensweg, auch wenn ich ihn teilweise als benachteiligend empfand. Weil Gott ja zu mir sagt und weil ich ohne das alles nicht werden konnte, was ich bin. Das fiel mir nicht leicht. Aber heute macht es mich tatsächlich zufriedener, wenn ich, wie David in der Bibel, bete: Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin (Ps 139

 

Herzlich

Thomas Zels