Zum Inhalt springen

Stress

Pastor Thomas Zels

 

 

Ich hatte nur gefragt, ob er mich ein Stück in die Stadt mitnehmen könne, weil mein Auto in der Werkstatt sei. „Ich bin im Stress!“, kam es gereizt. „Okay, okay!", meinte ich und ging wieder. Was hat der denn für Stress?, dachte ich. Ich hab Stress! Ich muss viel zu viel auf einmal erledigen, hab gleich einen Zahnarzttermin und muss jetzt auch noch Bus fahren! 

Es ist schon komisch. Wo ich mich auch umhöre - alle Welt hat Stress. War das immer schon so? Stress, Hektik, innere Anspannung, unter Druck - so fühlen sich mehr als die Hälfte der Deutschen laut einer Studie. Die Leistungsanforderungen sind hoch und sie steigen weiter. Angst, abgehängt zu werden. Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Die unbezahlte und ungesehene Hausarbeit. Geldsorgen. Und merkwürdig - gerade vorm Urlaub steigert sich der Stress immer. Ab und zu mal die Augen verschließen, sich die Ohren zuhalten - kann ich gut verstehen. Aber natürlich hilft Verdrängen nicht. Am Ende muss ich doch zurück in die raue Wirklichkeit. Keine Chance dem auszuweichen? Doch: Hier zwei Tipps:

1: Ein Rabbi wurde einmal gefragt, warum er immer so gelassen sei, da er doch so viel zu tun habe. Er antwortete: „Das ist ganz einfach: Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich." Da erwiderte sein Zuhörer: „Aber das tue ich doch auch!" „Nein," entgegnete der, „wenn du sitzt, dann isst du schon. Wenn du isst, dann stehst du schon wieder auf. Und wenn du aufstehst, dann gehst du schon!" Der erste Tipp heißt: Tu, was du jetzt tust, immer ganz. Lauf mit dem Kopf nicht vorweg. Wirf deine vor dir liegenden Sorgen auf ihn.

 2: Jesus sagt: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen (…), so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.“ (Matthäus 11,28+29b). In den Herausforderungen des Alltags vergesse ich manchmal, dass Jesus immer da ist. An meiner Seite. Aber ich bin oft mit meinen Gedanken woanders. Eigentlich weiß ich, wie gut es tut, zu beten. Es gibt viel mehr kleine Möglichkeiten dafür, als mir bewusst ist. Beim Bus- oder Autofahren, beim Kaffeeholen. An einer Kasse oder im Wartezimmer. Ich bete dann öfter, mir nicht zu viele Sorgen auf einmal zu machen, sondern nur das zu sehen, was jetzt gerade ansteht. Diese kleinen Gebete zwischendurch helfen mir, gelassener und ganz bei der Sache zu sein. Und sie rufen mir ins Gedächtnis: Ich bin nicht allein.

 

Herzlich

Thomas Zels