Unser ZweiMonatsImpuls
Interview mit Gott
Zu Weihnachten bekam ich einen Sammelband mit 25 Interviews geschenkt, die der Autor mit 25 Prominenten geführt hat, z.B. Angela Merkel, Hillary Clinton oder George Clooney. Der Autor versuchte dann jeden seiner Gesprächspartner durch jeweils 100 kurze, unerwartete Fragen aus der Reserve zu locken und so hinter dessen Fassade zu blicken. Beim Lesen kam mir dann der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn ich als Mensch einmal Gott interviewen könnte? Angenommen, Gott wäre noch einmal zu Besuch auf der Erde und er wäre bereit, sich eine Stunde Zeit für meine Fragen zu nehmen: welche würde ich ihm stellen? Was würde ich im Klartext von ihm wissen wollen, um ihn besser zu verstehen? Vielleicht Fragen wie diese:
Hatten Adam und Eva einen Bauchnabel? Hast du noch andere Planeten mit Leben geschaffen? Wann beginnt das Leben eines Menschen? Welchen Ursprung hat das Böse, wenn du alles geschaffen hast?
Spätestens jetzt wäre die Stunde rum - aber für den Fall, dass er noch mehr Zeit hätte:
Ist der Umkehrschluss korrekt, dass die Bücher des Alten Tes-taments ein sehr einseitiges Bild von dir vermitteln, weil ihre Schreiber Jesus noch nicht kann-ten? Und wenn du zu alttestamentlicher Zeit ganze Völker hast ausrotten lassen, wie kann Jesus dann davon sprechen, dass er seine Feinde liebt? Wenn ich in einem christlichen Umfeld aufwachse: Wie lerne ich dich – inmitten der Meinungen anderer Leute – so kennen, wie du wirk-lich bist? Wenn Jesus der einzige Weg zu dir sein soll: Wie beurteilst du Menschen, die nie eine Chance hatten, ihn kennen zu lernen? Kannst du mir den Zusammenhang zwischen Vorherbestimmung und Willensfreiheit erklären? Wie schaffst du es Menschen zu lieben, die alles kaputt machen, was dir lieb und wichtig ist? Wann kommt Jesus wieder :-;)?
Die Liste ließe sich noch um viele Fragen ergänzen: Fragen, die einfach nur neugierig sind, Fragen, die schon 1000x diskutiert wurden und Fragen, an denen manche Menschen schier verzweifeln. Welche würdest du stellen?
Und dann, nach den Fragen, wäre Gott dran - Spannung läge in der Luft: Wie würde er reagieren? Was würde er sagen?
In meinem Leben habe ich bisher gelernt, dass Gott durchaus klare, einfache Antworten gibt - und nicht selten mit einem gewissen Humor verbunden. Gut möglich also, dass er uns direkt über Adams Bauchnabel aufklärt. Aber bei anderen Fragen würde er vermutlich einfach nur lächeln und sagen: „Das musst du nicht wissen!“
Und dann gibt es sicherlich auch Fragen, deren bloße Antwort offenbar wenig hilfreich für uns wäre: Fragen, für die wir sehr lange brauchen und mit denen uns Gott vielleicht in erster Linie verändern möchte, anstatt uns direkt eine Antwort zu geben - wenn es sie überhaupt gibt. In dem Buch „Die Hütte“ nimmt sich Gott deshalb auch ein Wochenende Zeit, und zwar nicht nur für die Fragen des Protagonisten, sondern vor allem für dessen kaputte Beziehung zu Gott, sein zerstörtes Gottesbild. Oder schauen wir uns all die Jahre an, die die Jünger von Jesus brauchten, um endlich zu verstehen, worum es ihrem Herrn wirklich ging.
Wir Menschen sind neugierig, oft unverständig, haben viele Fragen und das bringen wir natürlich auch in unsere Beziehung zu Gott mit. Gott weiß das und er kann sicherlich auch optimal damit umgehen. Wir müssen allerdings begreifen, dass „Glauben“ eben nicht in erster Linie „Wissen“ bedeutet, sondern „Vertrauen“. Eine offene Frage ist also auch dann bestens bei Gott aufgehoben, wenn er sie nicht (sofort) beantwortet.
Mut zur Frage wünscht dir deshalb
Matthias Beichter

